Treaties of Rome 002

Geschichte

Angesichts des nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sprung­haft wach­senden Bedarfs an qual­i­fizierten Über­set­zern und Dol­metsch­ern ini­ti­ierten die Über­set­zer– und Dol­metscherin­sti­tute der Uni­ver­sitäten Genf, Hei­del­berg, Mainz/​Germersheim, Paris-​Sorbonne, Saar­brücken und Tri­est im Jahre 1960 eine Art überin­sti­tu­tionellen Qual­ität­szirkel auf hohem Niveau, der sich let­ztlich zu der weltweit agieren­den CIUTI entwick­elte, deren Mit­glieder strikte Qual­ität­skri­te­rien erfüllen müssen.

Die CIUTI — gestern und heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg ver­fol­gte man mit der begin­nen­den wirtschaftlichen Inte­gra­tion in Europa und der Unterze­ich­nung der Römis­chen Verträge das Ziel der Ver­söh­nung und des Wieder­auf­baus Europas. Nationale Ego­is­men soll­ten über­wun­den und gemein­sam das erre­icht wer­den, was ein Land allein nicht erre­ichen kann.

Von Anfang an ging man davon aus, dass die Sprache jedes Lan­des auch Amts– und Arbeitssprache dieser Gemein­schaft sein sollte. Darüber hin­aus führte die schnelle Zunahme inter­na­tionaler Han­dels­beziehun­gen auf dem ganzen Globus zu einem stark wach­senden Bedarf an Über­set­zungs– und Dol­metschleis­tun­gen. Damit ein­her ging die Notwendigkeit, pro­fes­sionelle Über­set­zer und Dol­metscher in angemesser Kom­pe­tenz und Zahl auszubilden.

In den fün­fziger Jahren des 20. Jahrhun­derts wur­den diese sprach­lichen Dien­stleis­tun­gen von Lin­guis­ten oder Philolo­gen erbracht, die an philol­o­gis­chen oder geis­teswis­senschaftlichen Fakultäten bzw. den weni­gen spezial­isierten Über­set­zer– und Dol­metscherin­sti­tuten studiert hat­ten. Let­ztere wur­den in der Fol­gezeit meist an Uni­ver­sitäten angegliedert. Der all­ge­mein herrschen­den Auf­fas­sung nach bestand die Auf­gabe des Über­set­zers ins­beson­dere in der Weit­er­ver­bre­itung lit­er­arischer, philosophis­cher oder wis­senschaftlicher Werke.

Vor diesem Hin­ter­grund trafen 1960 die Direk­toren der “Dol­metsch­er­schulen” der Uni­ver­sitäten Genf, Hei­del­berg, Mainz-​Germersheim und Paris-​Sorbonne in Basel zusam­men, um die Schwierigkeiten der Über­set­zer– und Dol­metscher­aus­bil­dung zu erörtern. Man wollte — auch inner­halb der eige­nen Uni­ver­sität — die Beson­der­heit der eige­nen Diszi­plin des “Über­set­zens und Dol­metschens” deut­lich machen, damit diese nicht in sprach­wis­senschaftlichen oder anderen Abteilun­gen “untergeht”. In diesen Zusam­men­hang gehört all das, was in den Jahren und Jahrzehn­ten danach durch Über­set­zungswis­senschaftler erar­beitet wor­den ist. Dieser neue Wis­senschaft­szweig stellte die Tätigkeit des Über­set­zens und Dol­metschens als eigen­ständi­ges Fach auf ein wis­senschaftliches Fundament.

Um diese Entwick­lung zu befördern, beton­ten die “Guide­lines for New Mem­ber­ship” den uni­ver­sitären Sta­tus der Mit­glieder — nur unter dieser Voraus­set­zung kon­nten die Stu­di­engänge, die zudem mit einem Diplom abzuschließen waren, in das bere­its beste­hende Stu­di­en­ange­bot der Hochschulen eingegliedert wer­den. Der Wille zur Zusam­me­nar­beit in den fün­fziger und sechziger Jahren stieß auf hand­feste Hin­dernisse, beson­ders hin­sichtlich der Mobil­ität von Lehrkräften und Studieren­den. Noch im sel­ben Jahr 1960 fol­gte ein weit­eres Tre­f­fen in Genf, an dem die Direk­toren der Uni­ver­sitätsin­sti­tute aus Mainz-​Germersheim, Saar­brücken und Tri­est teilnahmen.

Aber erst 1962, beim zweiten Tre­f­fen unter Beteili­gung der Uni­ver­sität Wien, wurde die Satzung des Ver­bands erstellt. Sie wurde ein Jahr darauf in Paris über­ar­beitet und 1964 in Tri­est ver­ab­schiedet. Dadurch wurde die Ständige Inter­na­tionale Kon­ferenz der Direk­toren der Uni­ver­sitätsin­sti­tute für die Über­set­zer– und Dol­metscher­aus­bil­dung gegrün­det, die “Con­férence Inter­na­tionale Per­ma­nente de Directeurs d’Instituts Uni­ver­si­taires pour la for­ma­tion de Tra­duc­teurs et d’Interprètes”, kurz C.I.U.T.I. (damals noch mit Punk­ten). Auf die Fah­nen schrieb sie sich die Förderung der Aus­bil­dung von qual­i­fizierten pro­fes­sionellen Über­set­zern und Dol­metsch­ern, die — so sahen es auch die Bes­tim­mungen der “Guide­lines for New Mem­ber­ship” vor — unmit­tel­bar nach Stu­di­en­ab­schluss ein­satzbereit sein sollten.

Im Jahr 1973 umfasste die CIUTI bere­its 13 Mit­glieder, darunter bel­gis­che, dänis­che und britis­che Insti­tute sowie die Ein­rich­tun­gen in Wash­ing­ton und Mon­tréal. Ihr tat­säch­liches Hand­lungs­feld aber beschränkte sich auf Europa. Die Trag­weite der dor­ti­gen Inte­gra­tion in Form der Auf­nahme weit­erer Län­der in die Europäis­che Gemein­schaft und fol­glich die Nutzung weit­erer Amtssprachen in den unter­schiedlichen Orga­nen ver­an­lasste die CIUTI, offizielle und informelle Beziehun­gen zu den Insti­tu­tio­nen aufzunehmen.

Sie war nun ein Ansprech­part­ner der Europäis­chen Gemein­schaft und somit gezwun­gen, sich einen angemessen juris­tis­chen Sta­tus zu geben. Also wurde die CIUTI am 24. Novem­ber 1994 unter dem Namen “Con­férence Inter­na­tionale Per­ma­nente d’Instituts Uni­ver­si­taires de Tra­duc­teurs et Inter­prètes” als inter­na­tionaler Ver­band gemäß bel­gis­chem Recht anerkannt.

Die ursprünglich europäisch geprägte CIUTI dehnt sich aus und machete sic die so genan­nte Empfehlung von Nairobi der Vere­in­ten Natio­nen von 1976 zu Eigen. Diese Empfehlun­gen verdeut­lichen, was zur Verbesserung des Berufs­bildes des Über­set­zers erforder­lich ist — und das nicht nur im Inter­esse des Beruf­s­standes selbst, son­dern auch im Inter­esse der inter­na­tionalen Ver­ständi­gung, der Ver­bre­itung kul­tureller Werte und, in beson­derer Weise, im Dien­ste der Wis­senschaften, des tech­nol­o­gis­chen Fortschritts und der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die CIUTI ver­ankert in ihren Ziel­stel­lun­gen auch die Charta der Fédéra­tion Inter­na­tionale des Traducteurs/​International Fed­er­a­tion of Trans­la­tors, derzu­folge das Über­set­zen als spez­i­fis­ches und eigen­ständi­ges Berufs­bild anerkannt wer­den soll.

Die CIUTI bemüht sich außer­dem um mehr außereu­ropäis­che Mit­glieder, um das selbst gesteckte Ziel der inter­na­tionalen Zusam­me­nar­beit zu erre­ichen. Dabei sind sich die Mit­glieder voll und ganz im Klaren darüber, dass eine solche Zusam­me­nar­beit die interne Organ­i­sa­tion­sstruk­tur auf die Probe stellt, auch hin­sichtlich der Stu­di­en­in­halte, Prü­fungsan­forderun­gen und der Dauer von Studiengängen.

Heute setzt sich die CIUTI mit kul­turellen Unter­schieden und ihren Auswirkun­gen auf die eigentliche Aus­gestal­tung von Über­set­zungs– und Dol­metschstu­di­engän­gen in allen Teilen der Welt auseinander.